Die erste seiner knapp fünf Dutzend Mazurkas komponierte der Zehnjährige 1820, die letzte ist Frédéric Chopins letzte Komposition (Herbst 1849). Wie eine Art Tagebuch lassen sich Chopins Mazurkas hören. Denn unter den drei Tanzgattungen, denen der Pole wichtige Beiträge widmete, sind sie die intimsten Zeugnisse mit dem Charakter von persönlichen Notizen und Reflexionen, von Selbstgesprächen.
Während die Walzer das Parfüm gediegener Pariser Salons verströmen und die Polonaisen als vehemente Bekenntnisse des Exilierten für ein freies Heimatland gelten, sind die Mazurkas Stilisierungen und Verschmelzungen von Volkstanztypen aus der masurischen Ebene, Mazur, Kujawiak, Obertas und Oberek. In den aus der Folklore geschöpften Mazurkas verzichtet Chopin auf die Entfaltung technischer Brillanz und weitgehend auch auf die grosse Geste, setzt auf differenzierte Melodik, Rhythmik und Harmonik.
Für seine erste Chopin-Werken gewidmete Einspielung hat der in Paris lebende Pole Piotr Anderszewski, von dem bereits herausragende Aufnahmen vorliegen (darunter die phänomenale Interpretation von Beethovens Diabelli-Variationen) sieben Mazurkas gewählt, die zu Chopins späten gehören: die je drei aus op. 59 (1845) und op. 63 (1846) sowie die letzte der vier op. 68 (1849). In das überlegt komponierte Programm fügen sich zwei Balladen (op. 47 und 52) und zwei Polonaisen (op. 44 und 53, die Polonaise héroique oder Ritterpolonaise).
Kein Zweifel: Piotr Anderszewski ist ein Chopin-Interpret von hohem Rang. Seine Deutungen zeichnen sich aus durch Egalität und Elastizität im überaus kantablen Anschlag beider Hände, durch ausgefeilten Umgang mit dem (zur Schattierung des Klangs beigezogenen) Pedal, durch breites dynamisches Spektrum, rhythmische Finessen, agogische Nüancen und zurückhaltend eingesetzte Rubati, durch farbenreiches, unter einen grossen Entwicklungsbogen gespanntes Gestalten.
Anderszewskis Spiel vereinigt strukturelle Klarheit, Frische der Erfindung und der Empfindung mit Zartheit, Intimität, Nostalgie, Kraft und Klangsinnlichkeit: Seelenbilder von künstlerischer Lauterkeit und Faszination. (ws)
Musik in Goodmans Individuenkalkül
Der Individuenkalkül des Philosophen Nelson Goodmans scheint für formale Beschreibungen musikalischer Strukturen wie geschaffen.
Dossier Akustik
01.12.2009 Bibliothek mit akustischer Erlebniswelt
Das Basler Projekt Irmat zeigt, wie moderne Touchscreens für innovative Musikapplikationen genutzt werden können.
Jubiläen 2010
Frédéric Chopin
Ein paar nützliche Links und Codex-flores-Texte zu Frédéric Chopin
13.08.2009 Kammermusik als Karriere-Prüfstein Das Davos Festival - «young artists in concert» ist eine der bedeutendsten Plattformen der Schweiz zur Förderung des musikalischen Nachwuchses.
03. 12. 2009 Dossier Musikvermittlung Aspekte einer zeitgemässen Musikkritik Die Praxis der Musikkritik wird theoretisch wenig reflektiert. Über ihre ethischen und stilistischen Regeln sollte aber immer wieder neu nachgedacht werden.