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Kritiken und Berichte
21.01.2004
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Fazil Says «Black Earth»

Fazil Say kam 1970 in Ankara (Türkei) zur Welt und studierte zunächst am dortigen Konservatorium. Ein Stipendium erlaubte ihm weitere Studien in Düsseldorf bei David Levine. Nach einem Gastpiel in Berlin siedelte er 1995 nach New York über, wo er die Young Concert Artists International Audition gewann. Diese Stationen seiner künstlerischen Reifung als Pianist und Komponist finden sich auch in seiner Musik: orientalische Urtümlichkeit und Impulsivität, deutscher Intellektualismus und etwas vom kosmopolitischen Glamour der amerikanischen Weltstadt.
«Black Earth» gibt einen Einblick in Says kompositorische Werkstatt. Die CD vereint Solostücke für Klavier («Black Earth» und die Paganini-Variationen, ein Zugaben-Knaller in etwas überdrehtem Fats-Waller-Stil), eine Sonate für Klavier und Violine (mit dem Geiger Laurent Korcia), Werke für Klavier und Orchester (Das Konzert «Silk Road» sowie «Silence of Anatolia» und «Obstinacy»), und eine jazzige Improvisation zusammen mit dem Kudsi Erguner Quartet.
«Silk Road» ist die «Beschreibung der fantastischen Abenteuer einer Karawane» welche die Regionen Tibet, Indien, Mesopotamien und Anatolien streift, «Silence of Anatolia» und «Obstinacy» teils Reverenz an Stravinsky und Bartok. Die Musik besteht zum grössten Teil aus erdenschweren, repetitiven und rhythmisch schroff akzentuierten Mustern, die mit ausgefallenen perkussiven Spieltechniken der traditionellen Instrumente ausgeschmückt werden. Die darauf aufsetzende statische Melodik ist einfach, beinahe naiv gehalten, ohne aber je ins Triviale abzugleiten. Das Orchester koloriert Passagen des Klaviers und wird auch rhythmisch nicht zum Kontrahenten, sondern trägt zu einem Panoptikum an Klängen bei, die in auffallender Manier süss-harmonische Terzen und Sexten meidet und dafür auf teils harte Dissonanzen, teils weit auseinanderliegende Oktavenverdoppelungen setzt und ihre archaische Raffinesse oftmals aus subtilen perkussiven Klangmixturen gewinnt.
(pb)


Fazil Say, «Black Earth», Fazil Say (Piano), Laurent Korcia (Violine), Orquestra de Cãmara Gulbenkian (Muhay Tang, Leitung), Orchestre National de France (Eliahu Inbal, Leitung), Kudser Erguner Quartet (Fazil Say, Piano; Kudser Erguner, Ney; Volkan Orhon, Bass; Emrah Kotan, Perkussion), naïve V 4954, Booklet mit französischen und englischen Texten.

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