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23.07.2012
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Musik-Konzepte: Paul Dukas

Nennt man seinen Namen, fällt sogleich der Titel seines weltweit bekannten Werks: «L’Apprenti sorcier», das 1897 uraufgeführte Orchester-Scherzo nach Goethes Ballade «Der Zauberlehrling». Allerdings verstellt die populäre Programmmusik die Sicht auf ein Schaffen, das trotz seiner Qualität und Originalität ausserhalb Frankreichs kaum bekannt ist.

Paul Dukas (1865–1935) schuf weitere Orchesterwerke, darunter die Sinfonie in C-Dur, dann die Oper «Ariane et Barbe-Bleue», das Ballett «La Péri» und die gewichtige Klaviersonate. Er war ein skrupulöser Komponist, und man geht nicht fehl in der Annahme, dass etliche vollendete Kompositionen seiner strengen Selbstkritik zum Opfer fielen.

Der neue Doppelband der Musik-Konzepte leuchtet in acht tiefgründigen Einzelstudien bzw. im werk- oder gattungsgeschichtlichen Zusammenhang Persönlichkeit und Schaffen des Pariser Meisters aus, der sich eminente Verdienste auch als Musikschriftsteller sowie als Professor für Orchesterleitung und Komposition am Konservatorium erwarb; zu seinen Studenten zählen Joaquín Rodrigo, Manuel Ponce, Jehan Alain, Maurice Duruflé, Jean Langlais und Olivier Messiaen.

Grundlegendes breitet Giselher Schuberts Beitrag zu Dukas’ Leben und Werk, Wirkung und Nachwirkung aus. Dominik Rahmer rückt die Verdienste des Rezensenten Dukas in den Fokus, dessen Schriften «einen substantiellen Beitrag zur Musikkritik der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert» darstellen.

Unter dem Titel «Zwischen 'musique traductrice' und 'musique pure'» geht Arne Stollberg Dukas’ Konzeptionen poetischer Orchesterwerke nach, von «Le Roi Lear» über «Goetz de Berlichingen» und «Polyeucte» zum «Apprenti sorcier», welches er mit Notenbeispielen analysiert. In der ebenfalls mit Partiturbeispielen und mit Formübersichten gestützten Untersuchung widmet sich Fabian Kolb der C-Dur-Sinfonie im Kontext der französischen Sinfonik um 1900.

Zwei Klavierwerke Dukas’ stehen im Zentrum der Besprechungen von Stefan Keym «L’Art de distribuer l’émotion» (es-Moll-Sonate) und von Inga Mai Groote «Variation als Entwicklung» (Variations, interlude et finale sur un thème de Rameau).

Nach Orchester- und Klavierwerken noch zwei Opera für die Bühne: Manuela Schwartz interpretiert die nachwagnerianische Oper «Ariane et Barbe-Bleue» aus feministischer Perspektive samt einem Ausblick auf Kreneks Oper «Jonny spielt auf»; Monika Woitas untersucht das Verhältnis von Musik und Choreografie im Poème dansé «La Péri», einer Synthese aus Sinfonie und Ballett.

Den illustrierten Band beschliessen die Abstracts, bibliografische Hinweise, die Zeittafel zu Leben und Werk von Paul Dukas und die Kurzbiografien der Autorinnen und Autoren.

Zitat aus dem Buch:
«Dukas zählt mit d’Indy, Chausson, Debussy, Magnard, Ropartz oder Roussel zur Generation französischer Komponisten, die eine in Frankreich als 'goldene Epoche' eingeschätzte Musikentwicklung einleiteten und das Programm der 'ars gallica' eindrucksvoll verwirklichten. […] Dabei war Dukas ein Einzelgänger, ein Musiker zwischen allen Schulen, dem es gelang, seine Unabhängigkeit zu bewahren und dennoch enge und freundschaftliche Kontakte zu den bedeutendsten, oft mit gänzlich unterschiedlichen musikalischen Richtungen identifizierten Komponisten zu halten. Auf diese Weise und durch seine vielfältigen Tätigkeiten gewann er geradezu den Status einer Instanz des französischen Musiklebens der Zeit, das er wie nur wenige andere schlechthin zu repräsentieren schien.» (Giselher Schubert, Seite 14)
(ws)


Paul Dukas. Reihe Musik-Konzepte. Neue Folge, herausgegeben von Ulrich Tadday. V/2012, Band 156/157. edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag, München. 189 Seiten mit s/w-Abbildungen und Notenbeispielen. € 26,–. Fr. 34.90.

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