Codex flores Werbung
Onlinemagazin für alle Bereiche der klassischen Musik Freitag, 10. September 2010
Inhalt
©Home
+Editorials
>Im Gespräch
£Nachrichten
~Kritiken
&Features
/Dossiers
®Archiv
xLinks
----
Theater, Festivals und Konzerte
----
Codex flores wird unterstützt von


Int. Gesellschaft für Empirische Ästhetik


Deutsche Gesellschaft
für Musikpsychologie



Schw. Gesellschaft für Musik-Medizin (SMM)
----
> Leserbriefe
> Kontakt
> Impressum
> AGB/Datenschutz
> Leitbild
> Mediadaten
> Pressecorner

News als RSS-Feed:

Zeitschriften



Dissonance
# 111 September 2010
weiter...

Kongresse



Mozart&Science 2010

4. – 6. November 2010
Krems, Österreich
weiter...

Codex flores
Zitate-
Zufallsgenerator



--- Anzeigen ---
Kritiken und Berichte
31.01.2010
Druckansicht
Händels Instrumentalmusik

Wer kennt sie nicht: die Wassermusik, die Feuerwerksmusik, das Orgelkonzert «Der Kuckuck und die Nachtigall», diese und jene Cembalosuite oder Triosonate. Was noch?

Seit seinem 20. Lebensjahr war sie eine Nebenbeschäftigung Händels, die Instrumentalmusik, denn nach seinem 1705 in Hamburg uraufgeführten Opernerstling «Almira, Königin von Kastilien» verstand er sich als Vokal- und Opernkomponist. Während zu Händels Lebzeiten sein Instrumentalschaffen hohe Popularität genossen hatte, schwand später sein Ansehen nicht zuletzt im Zug der Bach-Renaissance. Ganz und gar zu Unrecht, wie der vorliegende Band mit opulenten Materialien und differenzierten Analysen belegt.

«Händels Instrumentalmusik», der zweitletzte Band im Rahmen des im Laaber-Verlag erscheinenden sechsteiligen Händel-Handbuchs, ist die erste Publikation, die dem über 300 Kompositionen umfassenden Instrumentalwerk Händels als eigenständigem Komplex gewidmet ist. Dass sie zu einem für die Forschung wie die Aufführungspraxis gleichermassen anregenden wie unentbehrlichen Grundlagenwerk geworden ist, basiert in erster Linie auf Siegbert Rampe, der als Herausgeber dieses Bandes und als Autor von 34 Kapiteln der insgesamt 44 (zudem als Übersetzer aus den Fremdsprachen) zeichnet. Weitere Beiträge stammen vom verdienstvollen Händel-Spezialisten Terence Best, von Dominik Sackmann, Guido Klemisch, Ardal Powell, Kai Köpp, Dorothea Schröder, Hans Joachim Marx (dem Herausgeber der gesamten Reihe) und Lukas Näf.

Im Zentrum dieser monografischen Darstellung stehen die Werke und die Auseinandersetzung mit ihrer musikalischen Gestalt und Bedeutung, dem künstlerischen, historischen und sozialen Hintergrund. In den Blick gefasst und erläutert werden alle relevanten Aspekte der Gattungen wie der einzelnen Kompositionen, deren Teile und Sätze, die Umstände der Entstehung, die Quellen, Erstausgaben und Auflagen, Bearbeitungen, die Überlieferungs- und Rezeptionsgeschichte, die Funktion, Kompositionstechnik, Form, Borrowing-Praxis, ferner Besetzungsprobleme, Spiel- und Interpretationstechnisches in Theorie und Praxis.

Gegliedert ist der Inhalt in Vorwort und Einleitung (Überlieferung der Werke; deren Stellung in Händels Schaffen), die drei umfangreichen Hauptteile Tastenmusik, Kammermusik, Orchestermusik, gefolgt von Aspekten zur Rezeption und abgeschlossen mit einem gewichtigen Anhang.

Vor die Einzelbesprechung der Tastenmusik (Teil I) stellt Rampe drei Kapitel, deren erstes sämtlichen Saitenclavieren aus Händels eigener Sammlung und anderen, auf denen er gespielt haben könnte, gewidmet ist; das zweite fasst die Entwicklung der Claviersuite bis Händel zusammen, und das dritte erhellt die Chronologie von Händels Tastenmusik. – Im Rahmen der breit angelegten Würdigung von den Jugendwerken bis zu den späten Suiten finden sich ausführliche Besprechungen der freien Improvisationstechniken und -formen (Stegreifspiel ohne Noten). Zur Sprache bringt Rampe auch die Stücke für die mechanische Spieluhr und folgert, dass diese Tonkonserven als Hinweise für die aktuelle Aufführung dienen können, weil sie über Tempokonventionen und Ornamentikpraxis Auskunft geben. Erkenntnisse daraus wendet der Autor auch im folgenden Teil an.

Kammermusik: Mit einem Überblick zu Händel, Corelli und zur Sonate des 17. Jahrhunderts beginnt Teil II. Strukturellem und spiel- und aufführungstechnischen Fragen nimmt sich das folgende Kapitel an, in dem Takt und Tempo, rhythmische Veränderungen in Händels Musik (Punktierung und Überpunktierung, Inégalité, Tempo rubato), Ornamentik und freie Improvisation untersucht und mit Überlegungen zur Besetzung abgerundet werden. – Innerhalb der anschliessenden Besprechung des kammermusikalischen Schaffens finden sich eigene Artikel zu Instrumenten wie Block- und Traversflöte, Oboe (Händels Lieblingsinstrument) und Violine.

Teil III, Orchestermusik, wird eingeleitet mit einem Essay über Händels Stellung in der Geschichte des Concerto. Rampe führt aus, wie Händel wesentliche Beiträge zur Entwicklung des Concerto leistete, «und zwar bereits zu einem Zeitpunkt, als der um sieben Jahre ältere Vivaldi anfing, Konzerte zu komponieren. Das älteste erhaltene Solokonzert der Geschichte, welches sämtliche Kennzeichen des neuen Stils vereint […], stammt von Händel, nicht von Vivaldi. […] Zur Entwicklung des Concerto hat kein anderer Komponist nördlich der Alpen Vergleichbares geleistet». – Eingehend gewürdigt werden die Solokonzerte und Concerti grossi, die Concerti a due cori, die Orgelkonzerte (mit einem Beitrag zum Thema Händels Orgeln und «Händel-Orgeln» in Deutschland, Italien und England), Ouvertüren, Sinfonien, Einzelsätze und die Water Musick und die Musick for the Royal Fireworks.

Aspekte der vielgestaltigen und mitunter kontroversen Händel-Rezeption im 19. und 20. Jahrhundert hat in Teil IV Lukas Näf aufgearbeitet, sich dabei konzentriert auf die Instrumentalmusik und Tastenmusik im deutschen Sprachgebiet (Variationen, Bearbeitungen, Editionen).

Im Anhang schliesslich finden sich die Kurzbiografien der neun Autoren, das Werk-, Literatur- und Quellenverzeichnis, das Personen- und Werkregister sowie das Register der erwähnten Werke Händels.

Die Vorzüge der bereits früher publizierten Bände des Händel-Handbuchs zeichnen auch den jüngsten Band aus: Informationsdichte, aktueller Kenntnisstand, neue Forschungsansätze, anregende Einsichten und Erörterungen offener Fragen, kritischer Umgang mit tradierten Urteilen. Die sprachliche Sorgfalt und die klar verständliche Formulierung auch komplexer Sachverhalte erfüllen die Ansprüche von Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis ebenso wie sie den interessierten Laien einbeziehen. Zum Thema Lesefreundlichkeit gehört, dass allen erwähnten Personen Geburts- und Todesjahr beigefügt sind, dass sich Seitenverweise finden, dass die fremdsprachigen Originalzitate entweder anschliessend im Lauftext oder in der inneren Marginalspalte, wo auch die Anmerkungen aufgeführt werden, ins Deutsche übersetzt sind.

Welch weites, an Entdeckungen reiches Feld! Ein Panorama von Händels Epoche mit breiter Umschau, im Zentrum «das facettenreiche Bild eines überaus produktiven Musikers, dem es als einzigem seiner Generation dauerhaft gelang, ausgewogen zu komponieren, d. h. ebenso publikumsnah und verständlich wie geistig flexibel und intellektuell anspruchsvoll – sein wesentliches Persönlichkeitsmerkmal, das uns die Bach-Renaissance des 20. Jahrhunderts mitunter vergessen machte.» (Vorwort)


Zitat aus dem Buch:
«Es ist zu überlegen, weshalb Händel, der erste erfolgreiche Musiker und Musikunternehmer der Geschichte in Personalunion, seinen Status als bedeutendster Komponist der Zeit, welcher ihm vom späten 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert gebührte, nach dem Zweiten Weltkrieg an den fast gleichaltrigen Leipziger Thomaskantor Johann Sebastian Bach abzugeben hatte. Liegt es daran, dass Bachs Œuvre lange nur in Teilen bekannt war und inzwischen besser erforscht ist, oder haben wir uns einfach daran gewöhnt, ,vom Unsinn des Vergleichens’ Abstand zu nehmen, um Händels Platz in der Bühnen-, Bachs Domäne in der Kirchenmusik zu suchen? Die Instrumentalwerke beider Zeitgenossen fordern jedenfalls zur direkten Gegenüberstellung heraus und demonstrieren, dass Händel einen solchen Wettbewerb nie zu scheuen hatte.» (Vorwort, Seite 15f.)
(ws)


Händels Instrumentalmusik. Das Handbuch. Herausgegeben von Siegbert Rampe. 618 Seiten mit 38 schwarzweissen Abbildungen und 50 Notenbeispielen sowie einem Werkverzeichnis. Das Händel-Handbuch, Band 5. Laaber-Verlag, Laaber. € 110,–. Fr. 175.–.

siehe auch:
Händel und seine Zeitgenossen. Das Handbuch, Band 1
Händels Opern. Das Handbuch, Band 2
Händel & Co. Die Musik der Barockzeit
Hörbuch zu Händel
Händels «Messias». Werkeinführung
Händels Oratorium «Theodora»
Musik-Konzepte: Händel unter Deutschen


Bookmark zu dieser Seite: Webnews   Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen       (Was ist das?)


Dossier
Musikvermittlung
30.04.2010
Komponieren ist auch Handwerk
Der Schweizer Komponist David Philip Hefti im Codex-flores-Interview.

--- Hinweis ---

-----
Dossier
Musikphilosophie
Musik in Goodmans Individuenkalkül
Der Individuenkalkül des Philosophen Nelson Goodmans scheint für formale Beschreibungen musikalischer Strukturen wie geschaffen.

Jubiläen 2010
Frédéric Chopin
Ein paar nützliche Links und Codex-flores-Texte zu Frédéric Chopin
Robert Schumann
Dasselbe zu Robert Schumann

© Codex flores, Riedmattstrasse 4, CH-4500 Solothurn
01. 06. 2010
Dossier Kulturpolitik


Entwurf einer Bundeskulturpolitik
Eine eigenständige Bundes-Kulturpolitik ist unerlässlich. Helvetia muss dazu aber ein paar alte Zöpfe opfern.

--- Anzeige ---