Codex flores Werbung
Onlinemagazin für alle Bereiche der klassischen Musik Freitag, 03. September 2010
Inhalt
©Home
+Editorials
>Im Gespräch
£Nachrichten
~Kritiken
&Features
/Dossiers
®Archiv
xLinks
----
Theater, Festivals und Konzerte
----
Codex flores wird unterstützt von


Int. Gesellschaft für Empirische Ästhetik


Deutsche Gesellschaft
für Musikpsychologie



Schw. Gesellschaft für Musik-Medizin (SMM)
----
> Leserbriefe
> Kontakt
> Impressum
> AGB/Datenschutz
> Leitbild
> Mediadaten
> Pressecorner

News als RSS-Feed:

Zeitschriften



Dissonance
# 111 September 2010
weiter...

Kongresse



Mozart&Science 2010

4. – 6. November 2010
Krems, Österreich
weiter...

Codex flores
Zitate-
Zufallsgenerator



--- Anzeigen ---
Kritiken und Berichte
23.01.2008
Druckansicht
Buxtehude – eine kleine Nachlese

Festjahr 2007: Lübeck stand im Zeichen des vor drei Jahrhunderten verstorbenen Dieterich Buxtehude, richtete dem ehemaligen Organisten der Marienkirche eine Fülle von Konzerten aus, desgleichen Vorträge, Lesungen, ein Symposium, einen Wettbewerb, einen Interpretationskurs …

Auch fern der Hansestadt erinnerte man sich des grossen Barockmeisters, dessen Name unter Musikfreunden bekannter ist als sein Schaffen. Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit dem vielseitigen Œuvre bieten neue Einspielungen oder ältere, den Archiven entnommene Aufnahmen.

Kaum hat er die Einspielung sämtlicher Bach-Kantaten abgeschlossen, nimmt er sich Buxtehudes an: Ton Koopman, der holländische Organist, Cembalist, Dirigent, Musikologe und Präsident der Internationalen Dieterich Buxtehude Gesellschaft, legt die erste Serie von sechs Alben vor mit eigenen Aufnahmen von Cembalo- und Orgelwerken (je 2 Vol.) sowie Vokalkompositionen mit Solisten und dem von ihm gegründeten Amsterdam Baroque Orchestra & Choir. Die mit informativen Booklets (engl., dt., frz.) versehene Edition erscheint in Koopmans eigenem Label Antoine Marchand bei Challenge Classics.

Herausgegriffen sei Opera Omnia V / Vocal Works 2: Cantatas, Concertos and Miscellaneous Pieces. Die Doppel-CD bringt, mit bezwingendem Impetus musiziert und in überlegter Abfolge programmiert, zwanzig Werke: neben den Psalmkonzerten «Benedicam Dominum» (BuxWV 113) und «Jubilate Domino omnis terra» (64) sowie den Kantaten «Wie wird erneuet, wie wird erfreuet» (110), «Ihr lieben Christen, freut euch nun» (51), «Drei schöne Dinge sind» (19) und dem Choralkonzert «Heut triumphieret Gottes Sohn» (43) eine Reihe kürzerer Kompositionen aus diversen Epochen und in wechselnder Besetzung, die einen bewegenden Einblick in den Reichtum von Buxtehudes mal kammermusikalisch subtile, mal voluminös prächtige Klangsprache geben. Und eine Vorstellung davon, was in den legendären Lübecker Abendmusiken erklungen sein mochte.

Arien für Solosopran

Im Rahmen der Wiederauflage des ehedem bei Dacapo eingespielten Vokalmusikschaffens Buxtehudes (es umfasst über 120 Werke) enthält Vol. 1 Solosopran-Arien (mit Emma Kirkby), zudem die berühmte Trauermusik «Fried- und freudenreiche Hinfahrt» (BuxWV 76) zum Hinschied seines Vaters im Jahr 1674. Die exemplarischen Aufnahmen sind von einem Beiheftchen begleitet, das leider die Gesangstexte nicht enthält.

Facettenreiche Auswahl

Gleichermassen eindrückliche Interpretationen versammelt ein Naxos-Schuber mit drei CDs (zum Preis von zwei). Der amerikanische Cembalist Glen Wilson stellt eine charakteristische Auswahl aus Buxtehudes Tastenmusik vor, darunter die phänomenalen 32 Variationen über die «Bergamasca», welche über einem einfachen Bassschema die in Deutschland als «Kraut und Rüben» bekannte Melodie verarbeitet. Die übrigens Johann Sebastian Bach in der letzten seiner «Goldberg-Variationen», einem Quodlibet, verwendet – wohl eine Hommage aus Respekt und Dankbarkeit gegenüber seinem Lübecker Mentor.

Die zweite CD enthält die fulminante Einspielung aus dem Jahr 1994 von Buxtehudes Opus 1 – sieben Sonaten für Violine, Viola da gamba und Cembalo – durch John Holloway, Jaap ter Linden und Lars Ulrik Mortensen, die dritte vereint sieben geistliche Kantaten für eine bzw. drei Solostimmen, darunter die virtuose «Jubilate Domino» (BuxWV 64), dazu die durch Kevin Mallon, den Leiter des auf alten Instrumenten spielenden Aradia Ensembles, für Streicher arrangierte einzige Passacaglia Buxtehudes (161).

Ein Lapsus: Im Coverbild des Schubers mit einem Ausschnitt aus Johannes Voorhouts Gemälde «Musizierende Gesellschaft in Hamburg» (1674) ist grafisch der Cembalist hervorgehoben. Dieser ist unbestritten nicht Buxtehude, sondern dessen Freund Johann Adam Reincken, Organist an der Katharinenkirche Hamburg. Dass einer der beiden anderen Männer im Vordergrund Buxtehude sein muss, bezeugt eine Widmung auf dem im Gemälde abgebildeten Notenblatt. Die einen Wissenschaftler identifizieren den Gambisten links aussen als Buxtehude, die anderen mit ebenfalls einleuchtenden Argumenten den versonnen Lauschenden rechts. Angesichts der wenig charakteristischen Gesichtszüge beider fraglicher Personen – von Buxtehude ist kein anderes Porträt bekannt – ein müssiger Gelehrtenstreit.

Buxtehudes Orgelwerk

1970 legte Harmonia mundi France die Gesamtaufnahme von Buxtehudes Orgelwerk durch den 1928 in Cannes geborenen, bei Maurice Duruflé ausgebildeten Organisten René Saorgin vor. Seine vielgerühmte, nun auf fünf (LP-schwarzen) CDs in apart gestalteter, von einem umfangreichen Booklet begleiteter Box wieder vorgelegte Einspielung bestätigt ihre künstlerische Überzeugungskraft und die in den Dienst des einzelnen Werks und dessen Architektur gestellte Klangphantasie.

Gewicht kommt dem Album nicht zuletzt zu durch die vier in ihrem Grundbestand aus dem 17./18. Jahrhundert stammenden historischen Instrumente, deren sich Saorgin bediente: die Orgeln der Sint Laurenskerk von Alkmaar und der Groote Kerk von Zwolle (Holland), der St. Nikolaus-Kirche von Altenbruch (Deutschland) und des Doms von Arlesheim (Schweiz).

Die überlegt durchmischte Verteilung der 40 Choralbearbeitungen, 18 Praeludien, 3 Toccaten, der je 2 Canzoni, Ciaconen und Fugen und weiterer 4 Einzelwerke auf die CDs ergibt fünf «komponierte» Rezitals mit einem der gewichtigsten Œuvre der Orgelliteratur.
(ws)


siehe auch:
Kerala J. Snyder: Dieterich Buxtehude
Buxtehude und Lübeck – ein Hörbuch

Dieterich Buxtehude: Opera Omnia V. Vocal Works 2. Bettina Pahn, Johannette Zomer, Sopran; Bogna Bartosz, Patrick van Goethem, Daniel Taylor, Alt; Jörg Dürmüller, Andreas Karasiak, Tenor; Donald Bentvelsen, Klaus Mertens, Bass. The Amsterdam Baroque Orchestra & Choir. Leitung: Ton Koopman. (Antoine Marchand / Challenge Classics CC72244; 2 CDs, 152’)

Dietrich Buxtehude: Vocal Music Vol. 1. Emma Kirkby, Sopran; John Holloway und Manfred Kraemer, Violine; Jaap ter Linden, Viola da gamba; Lars Ulrik Mortensen, Cembalo und Orgel. (Naxos 8.557251; 72’)

Dietrich Buxtehude: Cembalowerke (Glen Wilson). – Kammermusik (John Holloway, Violine; Jaap ter Linden, Viola da gamba; Lars Ulrik Mortensen, Cembalo). – Geistliche Kantaten (Katherine Hill, Sopran; Matthew White, Countertenor; Paul Grindlay, Bass; Aradia Ensemble; Leitung: Kevin Mallon). (Naxos Trio 8.503087; 3 CDs, 172’)

Dieterich Buxtehude: Orgelwerke. René Saorgin an den historischen Orgeln von Alkmaar, Zwolle, Altenbruch und Arlesheim. (Harmonia mundi HMX 2901484.88; 5 CDs, 5h38’


Bookmark zu dieser Seite: Webnews   Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen       (Was ist das?)


Dossier
Musikvermittlung
30.04.2010
Komponieren ist auch Handwerk
Der Schweizer Komponist David Philip Hefti im Codex-flores-Interview.

--- Hinweis ---

-----
Dossier
Musikphilosophie
Musik in Goodmans Individuenkalkül
Der Individuenkalkül des Philosophen Nelson Goodmans scheint für formale Beschreibungen musikalischer Strukturen wie geschaffen.

Jubiläen 2010
Frédéric Chopin
Ein paar nützliche Links und Codex-flores-Texte zu Frédéric Chopin
Robert Schumann
Dasselbe zu Robert Schumann

© Codex flores, Riedmattstrasse 4, CH-4500 Solothurn
01. 06. 2010
Dossier Kulturpolitik


Entwurf einer Bundeskulturpolitik
Eine eigenständige Bundes-Kulturpolitik ist unerlässlich. Helvetia muss dazu aber ein paar alte Zöpfe opfern.

--- Anzeige ---