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12.12.2006
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Buxtehude und Lübeck – ein Hörbuch

Gewaltig war sein Ruhm, doch seine Vita ist voll ungelöster Rätsel. Als Geburtsjahr Dieterich Buxtehudes gilt (mit dem Unsicherheitsvermerk ca.) 1637. Seine Jugend, Schulzeit und Ausbildung zum Organisten, Cembalisten und Komponisten liegen im Dunkeln. Anzunehmen, dass er in Helsingör die Lateinschule besuchte und von seinem Vater Johann, einem deutschen Organisten (die Mutter war dänischer Abstammung), unterrichtet wurde. Verbürgt ist, dass Dieterich mit gut zwanzig Jahren an St. Marien in Helsingborg, dann an St. Marien in Helsingör als Organist wirkte. 1668 wurde er zum Nachfolger Franz Tunders an St. Marien in Lübeck, der offiziellen Ratskirche, gewählt. Ususgemäss heiratete er eine von dessen Töchtern.

Während der Kantor für die Vokalmusik im Rahmen des Gottesdienstes zuständig war, hatte der Organist Vor-, Zwischen- und Nachspiele zu bestreiten. So schuf sich Buxtehude, der auch für Musik zu öffentlichen Festen und zu Begräbnissen zu sorgen hatte, weitere Möglichkeiten, sein Können einzusetzen: Er gab glanzvolle Orgelrezitals und führte die von Tunder begründeten, berühmt gewordenen «Abend Musiquen» weiter, die älteste öffentliche Konzertreihe der Welt.

Buxtehude, als sesshaft geltend, da – erstaunlicherweise für seinen Rang – keine Reisen bekannt sind, starb 1707 und wurde in der Marien-Kirche beigesetzt; sie fiel 1942 unter dem Bombenhagel in Schutt und Asche. Zwei Jahre vor seinem Tod hatte der alte Meister den Besuch eines jungen Kollegen erhalten: Johann Sebastian Bach weilte für knapp drei Monate zur Weiterbildung bei Buxtehude in Lübeck.

Was hier nur knapp umrissen ist, es wird in Wort und Musik einlässlich und faktenreich beschrieben in der künstlerisch apart ausgestatteten CD-Edition «Königinnen oder Die 7 Rätsel des Dieterich B.». Der äussere Anlass: Im kommenden Jahr wird des 300. Todestags Buxtehudes gedacht, und dem von der Kulturjournalistin und Musikwissenschaftlerin Corinna Hesse konzipierten und verfassten Album kommt insofern offizieller Charakter zu, als es mit Unterstützung des Komitees Lübecker Buxtehude-Festjahr und der Internationalen Dieterich-Buxtehude-Gesellschaft erscheint.

Buxtehude und Lübeck sind die beiden Zentren der sechzehnteiligen Hörfolge, in der Text und Klangbeispiele – Vokal-, Instrumental- und Orgelmusik – atmosphärisch aufeinander abgestimmt und akkurat verzahnt sind. Der Schauspieler Christoph Bantzer schildert mit flexiblem Ausdruck wichtige Momente im Leben und Schaffen des genialen Musikers, aber auch Geschichte und Schicksal der «Königin der Hanse».

Der Blick weitet sich: in den ganzen Ostseeraum und dessen Jahrhunderte alte Vergangenheit, in Zeiten von Kriegswirren und Pestzügen, sozialen Umschichtungen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Revolutionen. Der Blick vertieft sich: in die Lübecker Bevölkerung, in die Gesellschaftsstrukturen und -ordnungen, in die Stellung des Menschen im Dies- und im Jenseits, in religiösen Umbruch, in philosophische Geistesströmungen und Debatten, in die musikalische Kosmologie, das städtische Kunst- und Musikleben, in den Übergang von alten zu neuen Vorstellungen und – als Cantus firmus – in das Schaffen Buxtehudes.

Rätsel faszinieren, beleben die Fantasie, regen an zum Denken, weisen auf Räume zum Ergründen. Sie öffnen im Fall Buxtehude auch die Neugier, sich einzulassen auf das Werk des grossen Unbekannten unter den norddeutschen Komponisten und den Schauplatz seines vierzigjährigen Wirkens. Die Entdeckungslust zu wecken ist eins der Verdienste dieser vielstimmigen akustischen Reise in die Vergangenheit einer ehedem mächtigen Hansestadt und die ungebrochene Wirkungsmacht des Dieterich Buxtehude.
(ws)


«Königinnen oder Die 7 Rätsel des Dieterich B.». Lübeck feiert Buxtehude. Das Hörbuch: Stadtgeschichte – Lebensgeschichte. Text: Corinna Hesse. Sprecher: Christoph Bantzer. Mit über 60 Musikbeispielen. 80'. (Silberfuchs-Verlag – Hören und Wissen, Kayhude) www.silberfuchs-verlag.de

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