Codex flores Werbung
Onlinemagazin für alle Bereiche der klassischen Musik Donnerstag, 23. Mai 2013
Inhalt
©Home
+Editorials
>Im Gespräch
£Nachrichten
~Kritiken
&Features
/Dossiers
®Archiv/Suche
xLinks
----
Theater, Festivals und Konzerte
----
Codex flores wird unterstützt von


Int. Gesellschaft für Empirische Ästhetik


Deutsche Gesellschaft
für Musikpsychologie



Schw. Gesellschaft für Musik-Medizin (SMM)
----
> Leserbriefe
> Kontakt
> Impressum
> AGB/Datenschutz
> Leitbild
> Mediadaten
> Pressecorner

News als RSS-Feed:

Zeitschriften



Dissonance
#122
weiter...

Kongresse



3rd International Conference on Music and Emotion (ICME3)

11–15 June 2013
Jyväskylä, Finland
weiter...

Codex flores
Zitate-
Zufallsgenerator



im Gespräch
07.08.2009Druckansicht
Improvisationen über Schweizer Lieder

Der Jazz hat die Kunst der Improvisation zu einer ganz eigenen Ausdrucksform gemacht und dabei die Regeln für die spontane Art des Musizierens auf eigene Art definiert. Es ist dabei keineswegs so, dass da immer alles pure Erfindung ist. Vielmehr verfügt der Jazzmusiker über einen reichen Baukasten an Elementen, Formen, Klängen, Rhythmen, die er kunstvoll kombiniert und, wenn er es in seinem Fach wirklich zur Meisterschaft bringt, daraus auch einen originellen eigenen Stil erschafft, in dem sich die echte Erfindung gegenüber der Rekombination von Klischees ihr Recht erstreitet. Der Akzent liegt dabei – auch auf den Harmonieinstrumenten Gitarre, Orgel oder Klavier – in der Regel auf einer immer kunstvolleren Form der fein ausziselierten, sich stetig fortspinnenden Melodik, die mit impressionistisch anmutenden harmonischen Farbtupfern auf originelle Art koloriert werden, zumindest in der Tonsprache, die sich als Mainstream der Jazzgeschichte herausgebildet hat.

Auch in der europäischen Kunstmusik wurde früher oft und gerne improvisiert, der barocke Basso continuo erinnert dabei durchaus an die zeitgenössischen Jazztechniken. Mit der Klassik und der Romantik bildete sich aber ein Idiom heraus, das seine Bausteine nicht wie der Jazz in Licks, Changes und Patterns und wie sie in dessen Theorie sonst so heissen, findet, sondern in kontrapunktischen Begleitformeln, Kadenzierungen, aus den Tanztraditionen stammenden rhythmischen Zellen und motivischer Arbeit. Zu höchster Meisterschaft brachten es dabei Pianisten wie Liszt oder der gebürtige Genfer Sigismund Thalberg. Heutzutage ist das Improvisieren im klassischen Idiom vor allem noch unter den Organisten verbreitet, aber selbst die kundigen Orgelimprovisatoren gehören zu einer aussterbenden Gattung, zu stark ist der Sog der eleganten und subtilen «neuen» Art des Improvisierens, die der Jazz nach Europa exportiert hat.

Freieren Umgang mit den typischen Bausteinen der klassischen Komposition eigneten sich im 20. Jahrhundert vor allem Begleiter von Stummfilmen, Ballett-Korrepetitoren und Barpianisten an, die tagein-, tagaus, wenn nicht jahraus-, jahrein die immer gleichen Fugati, Alberti-Bässe, Chopin-Läufe, Barcarolen, Mazurken, Walzer, Tangos, Czardas und so weiter abzunudeln hatten und denen damit deren Schablonen in Fleisch und Fingerspitzen übergingen.

Etwas von dieser hohen Kunst des europäischen instant composing lässt die bulgarische Pianistin Galina Vracheva wieder aufleben. Interessanterweise scheint sie auch die gesellschaftliche Umgebung, in der sie sich dabei bewegt, die grossbürgerlichen Traditionen des 19. Jahrhunderts, in denen diese Kunst ihre Wurzeln hat, wieder aufleben zu lassen. Die Künstlerin tritt gerne im Ambiente geschichtsbeladener Luxushotels auf, dem Dolder in Zürich, im Bellevue-Palace in Bern, im Schweizerhof Luzern, und sogar im Saal der Zürcher Freimaurerloge und auch wie einst Liszt oder Chopin in Salons geschlossener Gesellschaften.

Auch die Faszination des Orients, die der Spätromantik eigen war, scheint sich in ihrer Konzertagenda zu spiegeln, mit Auftritten in Zagreb und Damaskus. Und selbst das Zirzensische, das dieser Art des Virtuosentums immer eigen war, scheint da reproduziert zu werden: Liest man, dass Vracheva zusammen mit ihrem Hologramm im Zürcher Dolder an zwei Bösendorfer Konzertflügeln aufgetreten sein soll, fühlt man sich unversehens in Offenbachs Oper «Hoffmanns Erzählungen» versetzt.

Radio Swiss Classic und Deutsche Grammophon dokumentieren Vrachevas Improvisationen mit einer CD, für die Schweizer Lieder als Stichwortgeber dienen. Die vorwiegend simplen Melodien haben da bloss die Aufgabe einer Art Marksteine. Die Pianistin verblüfft dabei weniger mit differenziertem Anschlag und ausgeklügelter Dynamik (die Mikrophonierung scheint in dieser Hinsicht auch nicht viel Spielraum zu lassen) als mit teils verblüffenden harmonischen Wendungen und einem scheinbar unerschöpflichen, mit Spielwitz und Fantasie genutztem Reservoir an Versatzstücken aus der europäischen Musikgeschichte. Einer der Höhepunkte bildet zweifellos eine Fuge mit vorangestelltem Präludium über das Thema des Beresinaliedes. Bach und Chopin scheinen generell die Ecksteine von Galina Vrachevas improvisatorischem Kosmos zu bilden.

Interessant ist im übrigen, ihre Versionen der Freiburger Ranz des Vaches mit denjenigen des Jazzpianisten Thierry Lang zu vergleichen (siehe Codex-flores-Rezension), die Unterschiede im Improvisationsverständnis von Klassik und Jazz zeigen sich wohl kaum anderswo sonst so eindrücklich. (wb)

Galina Vracheva: Die Kunst der Paraphrase, Romantische Fantasien und Virtuositäten über Schweizer Lieder. Radio Swiss Classic/Deutsche Grammophon, Doppel-CD, Universal 476 353-8.

Zu beziehen bei;




Rena Kaufmann CD
Fraumünsterstrasse 9, Zürich



Bookmarks:     Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen       (?)


Rückschau

Giuliano Carmignola: Vivaldi con moto
Crossover in Grossformationen
Chopin-Etüden mit Jan Lisiecki
Daniel Hopes Sphärenklänge
Fischer spielt Konzerte von Dvořák und Bruch
Mozart-Konzerte - vielfach beleuchtet
Josefowicz mit Werken von Salonen
Rund um Neujahr in Dresden und Wien
Burkhards Oratorien zum Jahreswechsel
Frohe Weihnachten! mit Hope, Mayer und so
Orchestermusik aus dem Aargau
Eine imaginäre Bach-Kantate en français
Martha Argerich: Lugano Concertos
Schiff und das Wohltemperierte Klavier
Pollini spielt Chopin-Préludes erneut ein
Gould und Schwarzkopf im Studio
Daniel Barenboims Beethoven für alle
Pierre-Laurent Aimard spielt Debussy-Préludes
Oliver Schnyder spielt Années de Pèlerinage
Don Giovanni aus Baden-Baden
Matter a cappella im Kammerton
Dmitri Schostakowitschs «Orango»-Fragment
Jazzalben aus Zürich und Luzern
Gesualdos Quinto Libro di Madrigali
Hilary Hahn und Hauschka in Island
Die Mendelssohn-Sinfonien 3 und 4
Alles Walzer! Oder was?
Villazóns Londoner Comeback mit «Werther»
Quatuor Ebène in den Folies Bergère
Garrett im Festspielhaus Baden-Baden
Solos und so von Jarrett und Corea
Artemis Quartett: Beethovens Streichquartette
Geigenkonzerte Chatschaturjans und Barbers
Im Öpfel schloft en Baum
25 Jahre für Bachs gesamtes Vokalwerk
Rachel Kolly d´Alba: French Impressions
Angela Gheorghiu: Homage to Maria Callas
Nicola Benedetti: eine Schottin in Italien
Tori Amos: Night of Hunters
Nelson Freire spielt Franz Liszt
Alice Sara Ott stellt sich Beethoven
Chailly dirigiert Bachs Klavierkonzerte
Julia Fischer und die Farben des Herbstes
Vom Kanon- zum Konzept-Album
Wilhelm Tell im französischen Original
De Niese und die Schönheit des Barock
Karadaglić erinnert an goldene Gitarren-Zeiten
Claudio Abbados Luzerner «Fidelio»
Verachtet mir die Meister nicht
West-Eastern Divan Orchestra in Salzburg
Stutzmann singt und dirigiert Vivaldi
Mozart mit Erdmann und La Cetra
Anna Netrebko mit Pergolesis Stabat Mater
Striggios Messe für vierzig Stimmen
«Fedora» zu Domingos Geburtstag
Was Mozart und Haydn 1782 schrieben
Mahlers «Wunderhorn» in Neuaufnahmen
Jahreswechsel in Dresden und Wien
Leben in dieser Zeit: Radio-Pionier Kästner
Temminghs «The Gentleman’s Flute»
Geistliche Gesänge mit Juan Diego Flórez
Hélène Grimaud: Resonances
Duke Ellingtons «Money Jungle» orchestriert
Mitsuko Uchidas Reverenz an Schumann
Verismo-Arien mit Kaufmann und Fleming
Tschaikowsky und Liszt mit Alice Sara Ott
Julia Fischer kapriziert sich auf Paganini
Elīna Garanča in spanischem Kolorit
Yuja Wang: Transformation
Roberto Alagnas Hommage an Luis Mariano
Frühlingserwachen einer Orchesterkultur
William Hayes: The Passions
Ruggero Leoncavallos «I Medici»
Daniel Schenkers «Jardim Botânico»
Patricia Petibon singt Barockarien
Freire: Sämtliche Nocturnes Chopins
Gershwin-Klassiker im Jazzband-Format
Mutter spielt die Brahms-Violinsonaten
Leoncavallos «La Nuit de mai»
Brueggergosman: «Night and Dreams»
Aus Puccinis musikalischer Werkstatt
Pollinis Wohltemperiertes Klavier
Riccardo Chailly dirigiert Bach-Konzerte
Roberto Alagna: «Sicilien» in Nîmes
«Aufwind» in der Schweizer Jazzförderung
Alfred Brendels Konzerte zum Abschied
Albrecht Mayer: Bachkonzerte für Oboe
Stings «If on a winter’s night»
Ildebrando D´Arcangelos Händel-Album
Mendelssohns drittes Klavierkonzert
Reverenz Abbados an Pergolesi
Haydn rockt (was das Zeug hält)
Improvisationen über Schweizer Lieder
Deqing Wen und die fünf Formen der Kalligrafie
Kaufmann und die deutsche Romantik
Illustrierte Geschichte der Hüllengrafik
Kožená singt Arien aus Vivaldi-Opern
Maria João Pires und der späte Chopin
Die Geige in der Schweizer Volksmusik
Bach-Kantaten ohne pietistische Patina
Yuja Wang spielt Sonaten und Etüden
Gheorghiu spielt Schumann und Beethoven
Elina Garanča singt Belcanto-Arien
Händel-Interpreten der letzten fünfzig Jahre
Julia Fischer spielt Bach-Konzerte
Gustavo Dudamel dirigiert Tschaikowsky
Mutter spielt Mendelssohns Violinkonzert
Bruckner-Gesamtaufnahmen boomen
Blechacz spielt klassische Klaviersonaten
Ansermet und seine Idee von Moderne
Pavarottis Duette im Parco Novi Sad
Janine Jansen spielt Tschaikowksys Violinkonzert
Hélène Grimaud: Bach und seine Bearbeiter
Fotografien des Tenors José Cura
Yamandú Costa: Mafuá
Sofia Gubaidulina: In Tempus Praesens
Töbi Toblers Altdorfer Tell-Musik
Albrecht Mayers Reverenz an Venedig
Fernando Otero: Pagina de Buenos Aires
David Garrett: Virtuoso
Saitenspiele für laue Sommerabende
Wie klassische Musik verscherbelt wird
«Vuelta al Mundo» mit Bayan und Cello
Amy Winehouse «Back to Black»
Savalls Händel: Odyssee einer Aufnahme
«Inspired by Bach» neu aufgelegt
Mitschnitt des Berliner Silvesterkonzerts
Vokalwerke von Philippus de Monte
Film und Walzerseligkeit - ein Traumpaar
Midori spielt Bach und Bartók
Eva Brunners Hörspiel «Blauensee»
Herbert von Karajan: die Gold-Edition
Beethovens Sinfonien − die Frankfurter Variante
Oscar Peterson (1925 - 2007): «Night Train»
Thierry Lang macht aus Hirtenliedern Jazz
Jenseits der Norm − Klassik trifft HipHop
Das Duo della Sibilla besingt Neapel
Noëmi Nadelmann: «Sempre libera»
Sol Gabettas «Progetto Vivaldi»
Kuschel Klassik - Betablocker für die Ohren
Bartolis Reverenz an Maria Malibran
Süskinds «Kontrabass» als Hörbuch
Pop- und Rockklassiker auf sechs Saiten
Musik aus der Propagandahölle Terezín
«Best of Opera» aus dem Haus Naxos
Dinu Lipatti spielt Chopin und Enescu
Suite aus «Lady Macbeth von Mzensk»
Gustavo Dudamel dirigiert Mahlers Fünfte
Frühwerke Piazzollas erstmals eingespielt
Lebrechts Abgesang auf die Musikindustrie
Michael Bublé: Call Me Irresponsible
Geschichte der Berliner Philharmoniker
Clara Haskil und Mozarts Konzerte
Highlights aus Bachs Passion nach Johannes
Klavierkonzert Beethovens mit sechs Kadenzen
Thomas Quasthoffs Jazzalbum
«Hommage à Mozart» des ZKO unter Tang
Yundi Li: Konzerte von Liszt und Chopin
Natasha Korsakova: «Opera Fantasies»
Das Jahr der smarten Tenöre
Chopins Konzerte als intime Kammermusik
Wissenswertes zum Liedgut des Mittelalters
Die Callas und eine legendäre Kreuzfahrt
Anna Netrebkos «Russian Album»
Sting singt Lieder von John Dowland
Ensemble Libertango: Piazzollas «El Angel»
Soundtrack zu Tykwers Film «Das Parfüm»
James Galway: My Magic Flute
Musikwissen in Frage- und Antwortform
Beethovens Konzert für Klavier Nr. 5
Rolando Villazón: «Opera Recital»
Fünf Konzerte Vivaldis erstmals eingespielt
Barenboim West-Eastern Divan Orchestra

--- Anzeige ---

-------
Jubiläen 2013
Richard Wagner
Ein paar nützliche Links und Codex-flores-Texte zu Richard Wagner
Giuseppe Verdi
Dasselbe zu Giuseppe Verdi

Dossier
Kulturpolitik
Wenn Klassik und Pop sich finden
Pop-Klassik-Produktionen boomen - ein Spiegelbild unserer Zeit.
-----
© Codex flores, Riedmattstrasse 4, CH-4500 Solothurn
--- Anzeige ---