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02.11.2007Druckansicht
Noëmi Nadelmann: «Sempre libera»

Junge smarte Frauen beherrschen im CD-Geschäft heute die Auslagen der Klassik-Neuerscheinungen. Unter den Instrumentalistinnen die Pianistin Hélène Grimaud, die Cellistin Sol Gabetta, die Trompeterin Alison Balsom, die Geigerinnen Hilary Hahn und Julia Fischer und zahlreiche andere. Die absolute Musik ist als Konsumware beim breiten Publikum allerdings nie wirklich angekommen. Am meisten Geld lässt sich deshalb nach wie vor mit den Sängerinnen verdienen. Am komfortabelsten ist dabei die Deutsche Grammophon versorgt − sie hat mit Anna Netrebko und Elina Garanča die ganz grossen Abräumerinnen der letzten Jahre an Bord. Die ebenfalls von Universal vertriebene Decca hat mit dem originellen «Maria Malibran»-Programm von Cecilia Bartoli ebenfalls einen Trumpf im Ärmel, und EMI Classics kann mit Diana Damrau − und dank eines Jubiläums − mit der Legende Maria Callas auftrumpfen.

Da wirkt es schon fast ein bisschen wie Trittbrettfahren, wenn Sony BMG unter dem Titel «Sempre libera» noch einmal nun fast zehn Jahre alte Aufnahmen der Schweizer Sopranistin Noëmi Nadelmann auf den Markt drückt. Für die Wiederauflage des bereits im November 1999 bei Arte Nova erschienenen Albums gibt es allerdings einen weiteren triftigen Grund: Dank ihrem Mitwirken in der Jury einer Pop-Castingshow des Schweizer Fernsehens ist die Sängerin auch Nicht-Klassik-Liebhabern ein Begriff. Vor allem aber ist sie vom 21. bis 25. November dieses Jahres im Zürcher Hallenstadion in einer Arena-Produktion von Verdis «Traviata» zu sehen und zu hören, und zwar in der Rolle der Violetta.

Die Aufnahmen der CD stammen aus einer Einspielung im Passionsspielhaus Erl, in dem der Sängerin unter der Leitung von Gustav Kuhn vom Orchester der Tiroler Festspiele der akustische Teppich ausgerollt worden ist. Einen kurzen Gastauftritt hat überdies der Tenor Arnold Bezuyen.

Das Kernstück des Arienreigens der Silberscheibe bilden die beiden opulenten Nummern «E strano...Ah fors'é lui» − natürlich aus Verdis «Traviata» − und «Eccomi in lieta vesta...» aus Bellinis «I Capuleti ed i Montecchi», letztere sicherlich der expressive Höhepunkt der CD. In der Rolle der Violetta ist Nadelmann überdies mit «Addio del passato» zu hören. Ansonsten versammelt die CD Auszüge aus Opern von Mozart, Händel, Puccini, Donizetti und Massenet.

Seit 1999 haben die Produktionen für den globalen Klassikmarkt die Latte in Sachen CD-Perfektion allerdings etwas höher gelegt. So fällt vielleicht heute etwas stärker auf, dass die ansonsten erstklassige und charaktervolle Nadelmann möglicherweise etwas zu sehr auf kerniges Vibrato setzt und in den Spitzentönen vereinzelte Härten zeigt. Auch das Orchester wackelt ab und zu. Alles in allem unterstreicht die Neuauflage aber den neugewonnenen Ruhm der Schweizer Sopranistin. Sie dürfte als Erinnerungsstück für alle Hallenstadionbesucher und als stimmungsvolle Begleiterin dunkler Adventstage beste Dienste leisten. (wb)

Noëmi Nadelmann: Sempre libera, Arien von Verdi, Puccini, Mozart, Händel, Massenet, Bellini und Donizetti, Orchester der Tiroler Festspiele, Gustav Kuhn (Leitung), Sony BMG 2007, Best.-Nummer 88697 19102 2.



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