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07.04.2007Druckansicht
Clara Haskil und Mozarts Konzerte

Clara Haskil gilt auch heute noch als eine singuläre Pianistin, die folgenden Generationen in Sachen Mozartspiel die Messlatte sehr, sehr hoch gesetzt hat. Die Rede ist dabei nicht von fingertechnischer Perfektion (die sie auch besass) oder klanglich-rhythmischer Brillanz, sondern von der Fähigkeit, die Musik des Salzburger Meisters auf einzigartige Weise zum Sprechen zu bringen. So muss denn – hat man heutige Einspielungen im Ohr – bei den hier vorliegenden Aufnahmen von Mozarts Klavierkonzerten Nr. 19 und Nr. 24 aus den Jahren 1957 und 1956 radikal umgedacht werden.

Nichts da mit der heute üblichen, klanglich auf brillante Perfektion getrimmten und rhythmisch unter Hochspannung stehenden Routine. Die Aufnahmen zweier Konzerte im Théâtre de Beaulieu in Lausanne mit dem Orchestre de Chambre de Lausanne unter Victor Desarzens wirken in ihrer sperrigen und herben Art auf moderne Ohren schon fast wie ein Schock: Zu hören ist ein Klavier, das – hat der Stimmer eine Auszeit genommen? – die buntesten Glockentöne von sich gibt, dabei aber viel interessanter und lebendiger klingt als mancher Flügel des 21. Jahrhunderts. Auch das Orchesterklangbild tönt so anders als gewohnt. Den Boden legt nicht der heute alles überzuckernde Streicherschmelz, vielmehr scheint der Klang von den ungemein lebendigen und plastischen Bläserpartien her aufgebaut, in die sich das Klavier Haskils wunderbar differenziert und harmonisch einfügt.

Einem Text des Haskil-Biografen Jérôme Spicket in dem Booklet ist zu entnehmen, dass die Aufnahmen aus urheberrechtlichen Gründen so lange Zeit unveröffentlicht geblieben sind. Er hätte sie gerne 1972 herausgegeben, nachdem sie ihm von den Schwestern der Pianistin in deren Appartement in Vevey vorgespielt worden waren, musste aber wegen «den damals unlösbaren Problemen mit den Rechten» darauf verzichten.

Aufnahmen der beiden Konzerte Mozarts mit Haskil sind zwar in mehreren Varianten greifbar, mit Dirigenten wie Schuricht, Karajan, Hindemith und Klemperer, dennoch sind die Zeugnisse der beiden Konzerte in Lausanne bedeutende Dokumente, stammen sie doch aus den letzten Monaten, ja Wochen vor einer schweren Erkrankung, welche die Ausnahmepianistin monatelang zum Pausieren zwang und nach der sie nie wieder zur alten Kraft zurückfand. (wb)

Clara Haskil, Orchestre de Chambre de Lausanne (Victor Desarzens (Leitung): Live Recordings, Mozart 19 & 24, RSR Claves 50-2617



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